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Risiko im Straßenverkehr: mit dem Auto und dem Motorrad

In Deutschland sind 55 Millionen motorisierte Fahrzeuge zugelassen, darunter 44 Millionen Pkw und vier Millionen Krafträder mit amtlichen Kennzeichen (2014).
Auto- und Motorradfahrer Für viele Menschen sind Fahrten mit dem Auto oder dem Motorrad alltägliche Selbstverständlichkeiten. Die Risiken, die mit diesen Tätigkeiten verbunden sind, werden jedoch nur selten hinterfragt. Die amtliche Unfallstatistik liefert Hinweise auf das Unfallgeschehen: Insassen von Pkw stellen mit 47 Prozent der Verkehrstoten sowie 55 Prozent der Verletzten die größte Gruppe unter den Unfallopfern. 17 Prozent der Getöteten waren zum Zeitpunkt des Unfalls mit dem Motorrad unterwegs.

Bezogen auf den Bestand verunglückten je 1.000 Fahrzeuge sieben Motorrad Fahrende und fünf Pkw-Insassen. Das Risiko, bei einem Verkehrsunfall getötet zu werden, lag für Benutzer und Benutzerinnen von Motorrädern mit 14 Getöteten pro 100.000 zugelassene Fahrzeuge um ein Mehrfaches höher als bei Pkw-Insassen, bei denen vier Personen pro 100.000 zugelassene Fahrzeuge ums Leben kamen. Berücksichtigt man die niedrigere Kilometer-Fahrleistung, die mit Motorrädern zurückgelegt wird, erscheint das Verhältnis noch ungünstiger.

Die meisten Unfälle mit Beteiligung von Pkw und Motorrädern ereignen sich innerorts. Während außerorts nur ein Viertel aller Unfälle zu verzeichnen ist, kommen dort 60 Prozent der Verkehrsopfer ums Leben. Auf den Autobahnen ereignen sich sechs Prozent aller Unfälle, jeder zehnte Getötete entfällt auf diese Strecken. Bei den Unfalltypen steht der „Einbiegen/Kreuzen-Unfall“ an erster Stelle, insbesondere innerorts fällt jeder dritte Unfall in diese Kategorie. Nahezu jeder dritte Unfall, bei dem eine Motorrad fahrende Person verletzt oder getötet wurde, war ein Alleinunfall. Bei Unfällen mit Beteiligung von Pkw ist etwa jeder neunte ein Alleinunfall, bei den Unfällen mit Getöteten jeder sechste. Häufigste Unfallgegner von Motorrädern bei Kollisionen sind mit ca. 80 Prozent Pkw. Über zwei Drittel dieser Kollisionen wird von den Fahrern und Fahrerinnen der Pkw verursacht.

Risikofaktor: Vorfahrtsituation Bei Unfällen mit Personenschaden, die von Fahrern und Fahrerinnen von Pkw verursacht wurden, war das häufigste Fehlverhalten „Abbiegen, Wenden, Rückwärtsfahren, Ein- und Anfahren“, gefolgt von „Vorfahrt, Vorrang“ und zu geringem Abstand. Nicht angepasste Geschwindigkeit rangiert auf Platz vier. Bei den Motorrädern waren die am häufigsten vorgeworfenen Fehler nicht angepasste Geschwindigkeit, zu geringer Abstand und Fehler beim Überholen.

Risikofaktor: Geschwindigkeit Betrachtet man die tödlichen Unfälle, steht bei Fahrern und Fahrerinnen von Pkw überhöhte Geschwindigkeit mit großem Abstand an erster Stelle. Danach folgen falsche Straßenbenutzung sowie mangelnde Verkehrstüchtigkeit, insbesondere durch Alkohol. Bei Motorradunfällen mit Getöteten war das häufigste Fehlverhalten auf Seiten der Motorrad Fahrenden ebenfalls mit deutlichem Abstand nicht angepasste Geschwindigkeit, gefolgt von Fehlern beim Überholen und falscher Straßenbenutzung.

Risikofaktor: Alkohol Hinsichtlich des Unfallgeschehens lassen sich verschiedene Risikogruppen unterscheiden: Männer haben ein höheres Unfallrisiko als Frauen, insbesondere sind sie häufiger Opfer von tödlichen Verkehrsunfällen (vgl. „Risiko im Straßenverkehr: als Mann – Frau“ auf dieser Website). Im Vergleich zu Frauen sind Männer öfter an Alkohol-, Geschwindigkeits- und Abstandsunfällen beteiligt.

Junge Fahrer und Fahrerinnen (bis 25 Jahre) haben ein überdurchschnittliches Unfallrisiko. Sie treten auch öfter als Hauptverursacher von Unfällen in Erscheinung. Fahrunfälle ohne Fremdeinwirkung werden bei ihnen häufiger verzeichnet. Bezogen auf 1.000 Beteiligte werden Jüngeren überdurchschnittlich häufig nicht angepasste Geschwindigkeit und Abstandsfehler vorgeworfen, während Abbiegefehler oder Vorfahrtsmissachtung mit steigendem Alter deutlich zunehmen.

Ältere (ab 65 Jahren) treten am Steuer eines Pkw ebenfalls überproportional häufig als Hauptverursacher in Erscheinung. Sie verlieren offenbar in komplexen Situationen schneller den Überblick. Unfälle aufgrund zu hoher Geschwindigkeit sowie Alkohol spielen bei dieser Gruppe eine geringere Rolle.

Bei Unfällen von Auto Fahrenden sind nicht nur die jeweiligen Nutzer dieser Fahrzeuge betroffen, sondern auch deren Unfallgegner: Hier sind in erster Linie Rad Fahrende sowie zu Fuß gehende Personen zu nennen. Pkw sind häufig in Kollisionen mit Fahrrädern sowie mit zu Fuß gehenden Personen verwickelt. Aufgrund der fehlenden passiven Sicherheit haben solche Unfälle für die schwächeren Verkehrsteilnehmer/innen häufig schwere Folgen.

Quellen:
Statistisches Bundesamt: Verkehrsunfälle 2014. Fachserie 8 Reihe 7, Wiesbaden 2014
Statistisches Bundesamt: Verkehrsunfälle. Zweiradunfälle im Straßenverkehr 2014, Wiesbaden 2015

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