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Risiko im Straßenverkehr: zu Fuß und mit dem Fahrrad

Da unsere Vorstellung vom Straßenverkehr stark durch die zahlreich vorhandenen motorisierten Fahrzeuge geprägt ist, übersehen wir leicht, dass viele Menschen täglich auf mehr oder weniger langen Strecken zu Fuß und mit dem Fahrrad unterwegs sind.
Unterwegs zu Fuß oder mit dem Fahrrad Dabei sind sie als „schwächere Verkehrsteilnehmer“ erheblichen Risiken ausgesetzt. Mehr als ein Viertel (27 Prozent) der tödlich Verunglückten und ein Drittel (33 Prozent) der Schwerverletzten waren 2014 zum Zeitpunkt des Unfalls zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs.

Risiko zu Fuß

2014 wurden 523 zu Fuß gehende Personen bei Verkehrsunfällen getötet, das entspricht 15 Prozent aller Getöteten. 7.739 zu Fuß gehende Personen wurden schwer verletzt, das sind 11 Prozent aller Schwerverletzten. Auch wenn nahezu die Hälfte der Getöteten 65 Jahre und älter war, ist dies kein reines „Seniorenproblem“. 28 der Getöteten waren Kinder unter 15 Jahren, die übrigen waren zwischen 15 und 65 Jahre alt.

Risikofaktor: Sichthindernisse Der bei Weitem überwiegende Teil der Unfälle ereignete sich innerhalb geschlossener Ortschaften. Wenn den zu Fuß Gehenden ein Fehlverhalten vorgeworfen wird (dies ist bei den tödlichen Unfällen in vier von fünf Fällen der Fall), ist dies zumeist „Falsches Verhalten beim Überschreiten der Fahrbahn“, oft in Form von „Überschreiten, ohne auf den Fahrzeugverkehr zu achten“. Unfälle durch falsches Verhalten der zu Fuß Gehenden an Ampeln sind vergleichsweise seltener, spielen jedoch insbesondere bei den schweren Unfällen durchaus eine Rolle: Bei ca. fünf Prozent der Unfälle mit Getöteten wird dieses Fehlverhalten festgestellt. Mangelnde Verkehrstüchtigkeit (zumeist durch Alkohol) wird bei Unfällen von zu Fuß gehenden Personen ebenfalls verzeichnet, bei jedem achten Getöteten war das Opfer alkoholisiert.

Risikofaktor: Ablenkung Man kann davon ausgehen, dass Unfälle von zu Fuß gehenden Personen häufig mit Sorglosigkeit oder Ablenkung einhergehen. Zu erwarten ist, dass Ablenkungsfaktoren wie die Handybenutzung während des Gehens die Unfallstatistiken der nächsten Jahre zunehmend negativ verändern werden. Wer Risiken beim Überqueren der Fahrbahn an Stellen, die nicht durch Fußgängerüberwege oder Ampeln abgesichert sind, vermeiden will, wählt eine übersichtliche Stelle und richtet seine Aufmerksamkeit ungeteilt auf den Fahrzeugverkehr.

Neben Unfällen im Straßenverkehr stellt auch Stolpern, Rutschen und Stürzen eine Gefahr für zu Fuß gehende Personen dar. 20 bis 25 Prozent der Arbeits- und Wegeunfälle in Betrieben und Schulen entfallen auf diese Unfallursache. Zahlreiche schwere sowie tödliche Verletzungen sind die Folge. Um solche Unfälle zu vermeiden, sollten Wege in Betrieben und Ausbildungseinrichtungen instandgehalten und gut ausgeleuchtet werden. Durch einfache Verhaltensregeln kann die Gefahr eines solchen Unfalls weiter verringert werden: Geeignetes Schuhwerk, Vermeidung von Ablenkung und Nebentätigkeiten sowie Nutzen des Handlaufs an Treppen können das Risiko reduzieren.

Risiko mit dem Fahrrad

Zwei Drittel aller erwachsenen Personen in Deutschland besitzen nach Angaben des Deutschen Mobilitätspanels (MOP) ein Fahrrad (Bericht 2013/2014). Mit dem Rad werden ca. 13 Prozent der Wege zurückgelegt. 2014 wurden nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 396 Radfahrerinnen und Radfahrer bei Verkehrsunfällen getötet und 14.521 schwer verletzt. Das sind 12 Prozent der Getöteten und 21 Prozent der Schwerverletzten. Sowohl bei den Getöteten als auch bei den Schwerverletzten ereigneten sich die Unfälle überwiegend innerorts. Der Anteil der Alleinunfälle liegt bei 17 Prozent.

Unfallgegner bei Kollisionen ist zumeist das Auto (Pkw und Lkw), seltener sind es andere Rad Fahrende oder zu Fuß Gehende. Den Auto Fahrenden wird dabei zumeist die Hauptschuld zugeschrieben: Bei drei Viertel der Kollisionen zwischen Pkw und Fahrrädern werden bei der polizeilichen Unfallaufnahme die Fahrerinnen und Fahrer des Pkw als Hauptverursacher genannt, bei einem Viertel die Rad Fahrenden. Bei Unfällen mit zu Fuß gehenden Personen wird hingegen häufiger den Rad Fahrenden die Hauptschuld zugesprochen (61 Prozent). Das gilt auch für Unfälle zwischen Fahrrädern und Motorrädern.

Risikofaktor: Alkohol Bei vielen Unfällen wird den Radlern ein Fehlverhalten vorgeworfen, zumeist falsche Straßenbenutzung (138 von 1.000 Fällen = 13,8 Prozent), Fehler beim Abbiegen, Wenden, Rückwärtsfahren, Ein- und Anfahren (6,4 Prozent), Verletzung der Vorfahrt (6 Prozent) sowie mangelnde Verkehrstüchtigkeit (5 Prozent), zumeist durch Alkohol. Da jedoch insbesondere Alleinunfälle häufig nicht Eingang in die polizeiliche Unfallstatistik finden, muss hier von einer erheblichen Dunkelziffer alkoholisierter Rad Fahrender ausgegangen werden.

Risikofaktor: abbiegende Fahrzeuge Wer mit dem Rad unterwegs ist, sollte sich nicht nur selbst regelkonform verhalten, sondern auch die Fehlverhaltensweisen der Auto Fahrenden kennen sowie die Situationen, in denen es immer wieder zu Kollisionen kommt. Eine häufige Unfallkonstellation ist die Kollision zwischen geradeaus fahrendem Radler und abbiegendem Auto. Nach Erkenntnissen der Unfallforschung der Versicherer (UDV) ereignen sich Unfälle mit abbiegenden Kfz und geradeaus fahrenden Radlern zu zwei Dritteln beim Rechtsabbiegen des motorisierten Fahrzeugs. Dabei hat in neun von zehn Fällen der Fahrer oder die Fahrerin des Autos die Hauptschuld. Bei Verhaltensbeobachtungen wurde bei abbiegenden Auto Fahrenden in jedem fünften Fall ein fehlender Schulterblick festgestellt, bei beobachteten Konflikten mit Rad Fahrenden sogar in jedem dritten Fall. Bei Crashtests der UDV wurde ermittelt, dass bei diesen Unfällen selbst bei vergleichsweise niedrigen Kollisionsgeschwindigkeiten von 20 km/h mit schwersten oder sogar tödlichen Verletzungen bei den Rad Fahrenden zu rechnen ist.

Von der Fahrbahn abgetrennte Radwege führen leicht zu einer trügerischen Sicherheit: Radler verlassen sich auf den Vorrang gegenüber dem abbiegenden Kfz, realisieren jedoch häufig nicht, dass die Sicht aus dem Auto durch Hindernisse versperrt ist. Wer mit dem Rad unterwegs ist und dabei Risiken vermeiden will, senkt in solchen Situationen seine Fahrgeschwindigkeit und nimmt Blickkontakt zu dem anderen Fahrzeug auf, um sich zu vergewissern, ob der Fahrer oder die Fahrerin ihn gesehen haben und seinen Vorrang beachten.

Quellen:
Statistisches Bundesamt: Verkehrsunfälle 2014. Fachserie 8 Reihe 7, Wiesbaden 2015
Statistisches Bundesamt: Verkehrsunfälle. Zweiradunfälle im Straßenverkehr 2014, Wiesbaden 2015
Unfallforschung der Versicherer / GDV: Neue UDV-Studie und Crashtests: Fahrradunfälle sind häufig, schwer und oft vermeidbar – Abbiegende Pkw besondere Gefahr, veröffentlicht unter http://udvabbiegeunfaelle.na-smartsite.de/ 9.2.2016

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