Deutscher Verkehrssicherheitsrat UK | BG Vision Zero

Risiko im Straßenverkehr: als Mann und als Frau

Obwohl 51 Prozent der Bevölkerung in Deutschland Frauen sind, dominieren bei den im Straßenverkehr Verunglückten die Männer: Sie stellten 2014 nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 54 Prozent bei den Leichtverletzten, 61 Prozent bei den Schwerverletzten und 74 Prozent der Getöteten. Gemessen an ihrer Bevölkerungszahl ist das Risiko der Frauen und Mädchen, bei der Verkehrsteilnahme zu verunglücken, deutlich geringer als das der Männer und Jungen: Je 100.000 Einwohner verunglückten 427 weibliche Verkehrsteilnehmerinnen und 548 männliche Verkehrsteilnehmer. Die Anzahl der Getöteten pro eine Million Einwohner/innen betrug bei den Frauen 21, bei den Männern 63.

Risikofaktor: Mitfahrt im Auto Fast zwei Drittel der verunglückten Frauen kamen in einem Pkw zu Schaden. Etwas mehr als ein Drittel der im Pkw verunglückten Frauen (35 Prozent) saßen nicht selbst am Steuer, sondern waren Mitfahrerinnen. Von den Männern, die als Pkw-Insassen verunglückten, betrug der Anteil der Mitfahrer 22 Prozent. Bei den im Pkw tödlich verunglückten Personen waren sogar 40 Prozent Mitfahrerinnen, bei den tödlich verunglückten Männern betrug der Anteil der Mitfahrer lediglich 15 Prozent.

Radfahrerin, Radfahrer Mit dem Fahrrad verunglücken deutlich mehr Männer als Frauen. 2014 wurden bei der Verkehrsteilnahme mit dem Fahrrad 30.803 Frauen und 47.372 Männer verletzt. Unter den tödlich Verunglückten waren 116 Radfahrerinnen und 280 Radfahrer. Neun Prozent der verunglückten Frauen und sieben Prozent der verunglückten Männer waren zu Fuß unterwegs. Motorisierte Zweiräder werden von Frauen relativ selten genutzt. Dies zeigt sich auch an den Unfallzahlen: Nur fünf Prozent der verunglückten Frauen kamen mit dem Motorzweirad zu Schaden, während der Anteil bei den verunglückten Männern bei 18 Prozent lag.

Männer tragen häufiger die Hauptschuld an Unfällen, an denen sie beteiligt sind, als Frauen. 2014 wurden 53 Prozent der an Unfällen mit Personenschaden beteiligten Männer, aber nur 48 Prozent der Frauen bei der polizeilichen Unfallaufnahme als Hauptverursacher oder Hauptverursacherin eines Unfalls eingestuft. Dies gilt für die meisten Arten der Verkehrsteilnahme: 57 Prozent der Pkw-Fahrer, aber nur 54 Prozent der Pkw-Fahrerinnen wurde die Hauptschuld zugeschrieben. Insgesamt waren die Unfälle, die von Frauen verursacht wurden, weniger folgenreich als die der Männer. Bezogen auf 1.000 Unfälle war die Zahl der Schwerverletzten und Getöteten bei den von Frauen verursachten Unfällen deutlich geringer als bei denen, die von Männern verursacht wurden.

Risikofaktor: Sichthindernisse Auch bei der Verkehrsteilnahme mit dem Fahrrad oder zu Fuß ist der Anteil der Hauptverursacher bei den Männern größer als bei den Frauen. Hier betrug der Anteil der Hauptverursacher unter den Männern 44 Prozent (Fahrrad) gegenüber 37 Prozent bei den Frauen, beziehungsweise 31 Prozent (Fußgänger) gegenüber 22 Prozent (Fußgängerinnen). Bei der Nutzung von Krafträdern mit amtlichen Kennzeichen ist das Verhältnis umgekehrt: Hier waren 57 Prozent der unfallbeteiligten Frauen die Hauptverursacherinnen, bei den Männern betrug der Anteil der Hauptverursacher 50 Prozent. Bei Nutzfahrzeugen (Güterkraftfahrzeugen und Omnibussen) war der Anteil der Hauptverursacher unter den Frauen geringfügig höher als bei den Männern.

Beim Fehlverhalten, das den Pkw-Fahrern und -Fahrerinnen bei Unfällen mit Personenschaden vorgeworfen wurde, stand bei beiden Geschlechtern „Abbiegen, Wenden, Rückwärtsfahren, Ein- und Anfahren“ an erster Stelle. Bezogen auf je 1.000 Unfälle war der Anteil der Frauen, denen dies vorgeworfen wurde, genau so groß wie bei den Männern.
Risikofaktor: Vorfahrtsituation Unterschiede gab es jedoch bei dem zweithäufigsten Fehlverhalten, nämlich der „Nichtbeachtung der Vorfahrt bzw. des Vorrangs“. Hier war der Anteil der Frauen mit 125 Fällen je 1.000 Unfälle höher als bei den Männern (115). Zu geringer Abstand, nicht angepasste Geschwindigkeit sowie Alkoholeinfluss wird hingegen häufiger den Männern vorgeworfen. Insbesondere bei der Fahruntüchtigkeit durch Alkohol als Unfallursache ist das Verhältnis geradezu extrem: Pro 1.000 Unfällen wurde dies 30 Pkw-Fahrern, aber nur acht Fahrerinnen zur Last gelegt.

Quelle: Statistisches Bundesamt: Verkehrsunfälle. Unfälle von Frauen und Männern im Straßenverkehr 2014, Wiesbaden 2015

Zurück zur Auswahl