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Risiko im Straßenverkehr: mit dem Transporter und dem Lkw

In Deutschland sind derzeit ca. 3,4 Millionen Güterkraftfahrzeuge zugelassen. Darunter sind 2,6 Millionen Liefer- und Lastkraftwagen, 185.000 Sattelzugmaschinen und 560.000 sonstige Zugmaschinen (2014).
Im Transporter oder Lkw auf der Autobahn Unter dem Begriff „Transporter“ werden zumeist Liefer- und Lastkraftwagen bis 3,5 t verstanden. Davon gibt es derzeit etwa zwei Millionen Fahrzeuge.

Transporter und Lkw sind für den Warentransport in einer modernen Gesellschaft unerlässlich. In vielen Betrieben werden sie auf Kurz- und Langstrecken eingesetzt. Auch die Fahrzeuge der Kurier-, Express- und Paketdienste zählen zu dieser Gruppe. Darüber hinaus dienen Transporter und kleine Lkw häufig als Kundendienstfahrzeuge, mit denen außer Personen auch Werkzeuge und Ersatzteile transportiert werden.

2014 gab es in Deutschland 29.301 Unfälle mit Personenschaden, an denen mindestens ein Güterkraftfahrzeug beteiligt war. Etwa zur Hälfte ereigneten sich diese Unfälle innerorts, 27 Prozent auf Landstraßen und 22 Prozent auf Autobahnen. Dabei wurden 759 Personen getötet (davon 143 Insassen von Güterkraftfahrzeugen) und 40.357 Personen verletzt, darunter waren 7.234 Schwerverletzte. Etwa die Hälfte der an diesen Unfällen beteiligten Güterkraftfahrzeuge waren Kleinlaster, etwa ein Viertel Lkw über 3,5 t und etwas mehr als ein Fünftel Sattelzugmaschinen.

Risikofaktor: Überholen Jeder zweite Unfall mit Personenschaden ereignete sich innerorts, 27 Prozent auf Landstraßen und 22 Prozent auf Autobahnen. Bei den Kleinlastern dominierten mit über 60 Prozent die Innerortsunfälle, während bei den Sattelzugmaschinen mit 48 Prozent der größte Anteil der Unfälle sich auf Autobahnen ereignete.

Etwa sechs Prozent der Lkw-Unfälle waren Allein-Unfälle. Häufigster Unfallgegner des Lkw bei Kollisionen waren Pkw. Es kam jedoch auch zu zahlreichen Kollisionen mit Personen, die auf Fahrrädern, auf motorisierten Zweirädern und zu Fuß unterwegs waren. Auch ist eine gewisse Anzahl von Unfällen zwischen zwei Güterkraftfahrzeugen zu verzeichnen. Bei all diesen Unfällen kamen 239 Insassen von Pkw, 90 zu Fuß gehende Personen, 75 Rad Fahrende und 48 Personen auf Motorzweirädern ums Leben. Auf Grund der Größe und höheren Masse der Güterkraftfahrzeuge sind die Unfallfolgen für die Unfallgegner zumeist um ein Mehrfaches höher als für die Insassen des Lkw.

Die Fahrer und Fahrerinnen von Güterkraftfahrzeugen treten überproportional häufig als Hauptverursacher des Unfalls in Erscheinung. Dies war bei nahezu 60 Prozent der Unfälle der Fall. Bei Kleinlastern ist der Anteil der Hauptverursacher mit fast 64 Prozent noch höher.

Risikofaktor: Abstand Als häufigstes Fehlverhalten wird den Fahrern und Fahrerinnen von Güterkraftfahrzeugen zu geringer Abstand vorgeworfen, dies war bei etwa 20 Prozent der Fall. Am zweithäufigsten waren Fehler beim Abbiegen, Wenden, Rückwärtsfahren, Ein- und Anfahren (17 Prozent) sowie Missachtung der Vorfahrt (13 Prozent). Nicht angepasste Geschwindigkeit stand mit zehn Prozent an vierter Stelle. Alkoholeinfluss wird bei Fahrern und Fahrerinnen von Güterkraftfahrzeugen nur relativ selten festgestellt (1,5 Prozent).

Betrachtet man die Unfälle mit Getöteten, verändert sich das Bild: Hier steht die nicht angepasste Geschwindigkeit mit 17 Prozent an erster Stelle (zumeist ereignen sich Unfälle mit dieser Ursache außerorts). Fehler beim Abbiegen, Wenden, Rückwärtsfahren, Ein- und Anfahren rangieren auf dem zweiten Platz (15 Prozent), wobei Fehler beim Abbiegen am häufigsten verzeichnet werden. Solche Unfälle passieren überwiegend innerorts. Auf Platz drei findet sich zu geringer Abstand (11 Prozent, nahezu ausschließlich außerorts), gefolgt von falschem Verhalten gegenüber Fußgängern (9 Prozent, größtenteils innerorts).

Aus diesen Zahlen wird zweierlei deutlich: Folgenschwere Unfälle mit Beteiligung von Güterkraftfahrzeugen ereignen sich außerorts häufig aus einer Unterschätzung der Auswirkungen von zu hoher Geschwindigkeit und zu niedrigem Abstand, innerorts hingegen eher aus Unachtsamkeit gegenüber anderen, insbesondere Schwächeren. Typisch für die tödlichen Innerorts-Unfälle sind zum Beispiel die Unfallkonstellation Lkw/ Fahrrad beim Abbiegen sowie die Kollision des Lkw mit zu Fuß gehenden Personen, und zwar sowohl beim Abbiegen als auch an anderen Stellen.

Auch bei den Güterkraftfahrzeugen zeigt sich ein Zusammenhang zwischen den Unfallursachen und dem Alter der Fahrerinnen und Fahrer: Bezogen auf je 1.000 Beteiligte nimmt die Unfallursache „nicht angepasste Geschwindigkeit“ mit zunehmendem Alter ab, während Vorfahrt- bzw. Vorrangfehler zunehmen.

Die Unfallforschung sieht einen tiefer liegenden Grund für die Verkehrsunfälle von Nutzfahrzeugen in der Vielzahl physischer und psychischer Belastungen, denen die Fahrerinnen und Fahrer ausgesetzt sind.
Risikofaktor: Gesundheit Dazu gehören etwa Zeitdruck durch dichten Verkehr oder Verzögerungen beim Be- und Entladen, unregelmäßige und oft lange Arbeitszeiten, aufreibende Suche nach Parkplätzen und zu wenig Schlaf durch ungünstige Umgebungsbedingungen.

In einer Forschungsarbeit der Bundesanstalt für Straßenwesen wurde der Zusammenhang von Stress und Unfallrisiko bei Lkw-Fahrern näher untersucht. Demnach zeigen eher die Jüngeren bis 35 Jahre ein besonderes Risikoverhalten. Im Rahmen der Untersuchung wurde eine Fahrer-Typologie entwickelt, wobei in erster Linie der so genannte „gestresste Typ“ sowie der „Draufgänger-Typ“ ein hohes Risiko tragen. Rund jeder vierte Fahrer fiel in die Gruppe der „gestressten Typen“, jeder zehnte war dem „Draufgänger-Typ“ zuzurechnen. Zusammen bildeten sie mehr als ein Drittel der Befragten. Die „gestressten Typen“ fielen dadurch auf, dass sie auf Stress und Belastungen aggressiv gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern reagieren. Die „Draufgänger-Typen“ nehmen die eigene Beanspruchung bewusst kaum war, reagieren aber dennoch auf Belastungen gefühlsorientiert-konfrontativ: Ihre Gefahrenwahrnehmung nimmt ab, während Fahrfehler zunehmen. Zudem fielen sie durch hohe Müdigkeitsneigung auf. Dies macht deutlich, dass die Fähigkeit zur Stressbewältigung eine Voraussetzung für sicheres Fahren ist.

Quellen:
Statistisches Bundesamt: Verkehrsunfälle 2014. Fachserie 8 Reihe 7, Wiesbaden 2015
Statistisches Bundesamt: Verkehrsunfälle. Unfälle von Güterkraftfahrzeugen im Straßenverkehr 2014, Wiesbaden 2015
Bundesanstalt für Straßenwesen (Hrsg.): Auswirkungen von Belastungen und Stress auf das Verkehrsverhalten von Lkw-Fahrern. Mensch und Sicherheit Heft M 204, Bergisch-Gladbach 2009

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